Sonntag, 24. November 2013

Ornamentik II: Tulpe oder Lilie?

Die zweite Blume, die sich auf dem Treppengeländer findet, und zwar auf jeder Strebe oberhalb und unterhalb der Rosette, ist etwas schwierig zu identifizieren. Ich glaube aber dass es sich um eine Tulpe handelt und nicht um eine Lilie. Die Geschichte der Tulpe war zu dem Zeitpunkt der Erbauung unseres Treppengeländers schon wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser geraten, während sie gut ein Jahrhundert zuvor die erste Spekulationssblase der Geschichte hervorgerufen hatte, den sogenannten Tulpenwahn in Holland.Tulpenzwiebeln, die zuerst im 16. Jahrhundert aus der Türkei importiert worden waren, waren in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts so teuer geworden, dass die Leute sich für einen Anteil an einer Zwiebel verschuldeten.1637 platzte die Blase, der Markt brach zusammen und die Spekulanten standen da mit ihren Tulpenzwiebeln. 

        Seitdem steht die Darstellung von Tulpen z.B. auf den niederländischen Stilleben, zwar für Reichtum und Luxus, aber auch für Leichtsinn und Vergänglichkeit.

Jan Breughel d.J.: Allegorie auf die Tulpomanie, um 1640.


Jan Breughel d.J.: Tulpen und andere Blumen in einem Glas, 17. Jhd.

 Im 18. Jahrhundert wurde die Tulpe aus dem höflischen Bereich auch in die Volkskunst übernommen. Hier finden wir sie zum Beispiel auf einer schwälmischenWeißstickerei.
Gut möglich also, dass die Erbauer unseres Treppenhauses all dies im Hinterkopf hatten. Könnte aber auch sein, dass sie das Ornament einfach nur hübsch fanden, wie wir auch.



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